In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Sonntag, Dezember 04, 2005

Sightseeing galore

Nun bin ich also Tourist.

Nachdem ich Hyderabad am 1. Dezember mit weniger als einer Traene im Knopfloch Lebewohl gesagt habe, brachte mich der Overnight-Train nach Aurangabad. Ja, richtig, die Stadt, die an hiesiger Stelle schonmal als haesslich verschrien wurde. Und ja, besonders schoen ist Aurangabad auch nicht.

Dafuer sind gleich zwei Weltkulturerbe(n?) in Steinwurfweite. Sowohl in Ellora als auch in Ajanta haben sich Generationen von Moenchen die Zeit damit vertrieben, auf kunstvolle Art Hoehlen in die Felslandschaft zu meisseln. Must see!-schreit der Reisefuehrer. Ich fasse also den Plan: Hin.

Am Fruehstueckstisch werde ich von Mark aufgerissen, der mich mit der Suedkoreanerin Stella zusammen zu einer Auto-Tour nach Ellora ueberredet. Ich muss wohl
a)sehr muede gewesen oder sein oder
b)meine Menschenkenntnis war gerade auf Klo

Jedenfalls entpuppt sich Marc als muerrisches Exemplar eines 65-jaehrigen, Ex-Sonnenstudiobetreibenden, fdeutschen Backpackers (wenn es von der Sorte auch coole Leute gibt, her mit der Info, da mach ich ne Story draus!), der ueber Indien ungefaehr folgendes zu sagen hat: Alles total schmutzig, die Hygiene unter aller Sau, muesste alles renoviert werden (!), die Inder alle dumm, wieder komm ich jedenfalls nicht. Es wird eine harte Geduldsprobe und nein, stolz auf meine Herkunft bin ich an diesem Tag nicht gerade.
Die Hoehlen waren aber ganz schoen. Highlight ist der Kailasa-Tempel, fuer den zurecht 200.000 Tonnen Gestein aus der Landschaft entfernt wurden - ein atemberaubender Anblick. Fotos gibt es wieder nicht, reiche ich bei Gelegenheit nach.

Am naechsten Tag besuche ich mit Stella zusammen Ajanta. Viel besser, sagte Marc noch, der sich zum Glueck am vorigen Abend selbst nach Mumbai verklappt hat. In der Tat ist auch das ein Erlebnis. Ein einem Halbkreis von ca. 3 Kilometern erstrecken sich 29 Hoehlen, deren Eingaenge Saeulen stuetzen. Innen zieren Malereien und Verzierungen die Waende, waehrend im hinteren Teil stets Buddha in Form einer ueberdimensionalen Statue ueber das Geschehen wacht. Inmitten des Hoehlen-Halbkreises befindet sich ein Flussbett, dass von farbenpraechtigen Baeumen gesaeumt wird, netter Ausblick im Eintrittspreis also inklusive. Da macht man auch gerne mal 800 Fotos fuer die Reisegefaehrtin, die augenscheinlich gern posiert und Beweisfotos haben will, die dokumentieren, dass sie tatsaechlich hoechstselbst an allerhand Orten war. Wie im Klischee-Kino, oder Alena? Das ist aber nichts gegen die Myraden von Verkaeufern, die an diesem Ort ueber die unschuldigen Westler herfallen und dabei hartnaeckiger und aggressiver sind als ein Bienenvolk, dass ein Fass Honig gewittert hat.

Nun, auch das ueberlebt man. Ich heisse ja nicht Marc und das ist schliesslich Indien, nicht Wanne Eickel. Ich esse also noch nett mit Stella und setzte mich nach kurzer Nacht in den Bus nach Pune, wo ich nun wiederum in ein Nest voll Sinnsucher geraten bin. Aber diese Geschichte soll ein ander Mal erzaehlt werden, denn sie hat gerade erst begonnen...

Robin