In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Montag, Dezember 12, 2005

Die indische Kunst zu werben Teil 1

In Indien, da ist nicht wirklich alles eitel Sonnenschein. Mal abgesehen von vier Monaten Mosun, der zeitweilig ganze Staedte ueberflutet, muessen die Menschen hier mit allerhand anderen Widrigkeiten klarkommen: Mangelhafte Infrastruktur, Armut, Korruption...
Manch einer ist hier schon zufrieden, wenn er vier Waende aus Blech um sich und genug zu essen auf dem Palmenblatt hat. Was bleibt auch uebrig, 40 Prozent der Bevoelkerung leben in diesem Land unter der Armutsgrenze! Addiert mit dem regionalen und religioesen Spannungspotential (5 Hauptreligionen, 16 verschiedene Sprachen!), ist es eigentlich ein Wunder, dass die weltgroesste Demokratie schon seit ueber 50 Jahren Bestand hat.
Was ist es aber, dass diesen gigantischen Melting pot hier zusammenhaelt? Eine Erklaerung dafuer liegt in der indischen Mentalitaet verborgen: Denn die meisten Inder sind wahrlich hart im Nehmen. Selbst groessere Unannehmlichkeiten sind kein Grund zum Jammern. Ob in ueberfuellten Langstreckenzuegen, wo man eben im Stehen schlaeft, im Strassenverkehr, wo selbst die halsbrecherischten Manoever anderer Verkehrsteilnehmer relaxt weggesteckt werden (falls sie nicht doch in der Kollision enden) oder beim Essen, wo das genommen wird, was gerade da ist. Auch wenn es eben zum siebenhundersten Mal nacheinander Reis mit Beilage ist.
Man richtet es sich ein und ist dabei meistens zufrieden. Eine Eigenschaft, von der wir Deutschen nur lernen koennen! Dass hier auf diese Weise auch einiges (weissgott nicht alles!) im Argen bleibt, ist natuerlich die andere Seite der Medallie.
Nach dieser eleganten Einleitung komme ich also schon zuegigst zum Thema dieser brandneuen Kategorie. Denn ein durchaus amuesanter Aspekt eingangs beschriebenen Mentalitaet ist die indische Vorliebe dafuer, gnadenlos zu uebertreiben. Allenfalls durchschnittliche Absteigen scheuen sich nicht davor, sich 'Royal Lodge' oder 'Sultans Palace' zu nennen und wenn auf Speisekarten Gerichte erklaert werden, sind sie nicht selten die leckersten in der ganzen Stadt. Weitere Beispiele entblaettern sich dem aufmerksamen Besucher zuhauf und manchmal, wenn ein in der Kunst der Ueberzeugung nicht ganz so bewanderter Geist dahinter steckt, nimmt die Schoenfaerberei groteske Zuege an.
So auch bei dem auf dem Foto verewigten Blechschild, dass die Tuer eines etwas herunter gekommenen Kiosks in Matheran zierte. Dem Alter des Schildes nach zu urteilen, ist der letzte Entwicklungsschritt des Gesundheits-Eises schon ein Weilchen her. Also durchaus moeglich, dass das Windy-Team mittlerweile schon viel weiter ist. Vielleicht kann das Eis mitterweile Krebs heilen oder bewirkt als Athritis-Salbe Wunder? Auf jeden Fall ist es ein nettes Kontrast-Programm zu der fiesen Oorlog-Sosse auf Markus Blog...
Robin