In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Dienstag, November 15, 2005

Von God-Maennern und Aurovillern

Zwei Wochen Nicht-Manipal liegen hinter mir, hoechste Zeit, den Rest der Welt ueber meine Erfahrungen auf dem laufenden zu halten. Nachdem ich am 30.10. mit Kirsten zusammen im unglaublich luxurioesen Bus nach Bangalore geschwebt bin, verbrachten wir einen Tag und zwei Naechte in der wohl progressivsten Stadt Indiens. Hier durefen Paerchen im botanischen Garten Haendchen halten und an der Mahamtma Gandhi Road scheinen Armut und Elend Lichtjahre entfernt. Vorsicht ist vor den unnachgiebigen Ricksha-Fahrern geboten, an die wir fuer unsere Trips kreuz und quer durch die City gut 300 Rupien loswurden. Schonmal in Big-Sepnder-Laune, goennten wirs uns zum kroenenden Abschluss im Sunnys, ein italienisches Restaurant, ausschliesslich von Nepalesen betrieben, ein suendhaft leckres Luxusessen.

Am 2.11. gings dann nach Puttaparthi, wo Indiens groesster Guru Sai Baba Hof haelt. 30 Millionen Anhaenger hat der selbst ernannte Avatar (Reinkarnation Gottes auf Erden) weltweit, mindestens 10.000 davon bevoelkerten zusammen mit uns den riesiegen Ashram. Da wir ja nicht nur deswegen in Indien sind, um uns ins Gokarna zu braeunen (oder Henning?;), wollten Kirsten, die mich zu dem Besuch anstiftete, und meine Wenigkeite die Gelegenheit nutzen, und eine nette Reportage ueber unsere Erlebnisse dort schreiben. Was nett und harmonisch begann (sieht man einmal von dem dauerschnarchenden Fettwanst neben mir im 40-Mann-Dorm ab) artete dank Internet-Recherche bald in paranoia-stiftende Unruhe aus. Ueber Missbrauch, Mord und Machenschaften lest ihr am besten selbst auf www.exbaba.com und demnaecht, wenn die Recherchen beendent sind, im Spiegel/Zeit/Stern/Focus/brand.eins....ich halte euch auf dem Laufenden.

Kirsten in den Faengen der Sex-Sekte zuruecklassend, begab ich mich mit stertig besser werdendem Gefuehl am 7.11. ueber Bangalore nach Pondicherry. Von Sleeper-Bussen (vgl.:Schlafwagen) kann ich an dieser Stelle nur abraten, mehrmals sah ich mich waehrend der dank indischer Fahrweise extrem kurvenreichen Fahrt aus dem Etagenbett ins Businnere stuerzen. Pondy dagegen ist super und ein Parade-Beispiel fuer indische Dualitaet. An der Strandpromenade laden grosszuegige Kolonial-Bauten aus franzoesischer Besatzerzeit und Croissanterien (sollte es diesen Ausdrcuk noch nicht geben, beantrage ich hiermit ein Patent) zum entspannten Bummeln, waehrend ein paar Kilometer weiter ausserhalb des Stadtzentrums der ganz normale Wahnsinn einer groesseren indischen Stadt pulsiert. Nach zwei Tagen Regen und Recherche mit einem Abstecher ins Sri Aurobindo-Ashram stiessen Maren und Christoph hinzu, die nach einem Tagestrip von Hampi aus putzmunter aus dem Bus fielen. Zusammen erkundeten wir zunaecht per Touri-Tour und dann per Motoroller Auroville , die grossartige Idee einer multinationalen, besitzanspruchslosen Stadt, in der der Mensch dank Aurobindos Integralem Yoga in die naechste Evoultions-Stufe finden soll. Lache ruhig, wer den Glauben an das Gute im Menschen aufgegeben hat, alle anderen werden vielleicht unter www.auroville.org schlauer.

Am 13.11. reisste ich dann ueber das riesige Chennai, in dem ich den groessten Busbahnhof Zentralasiens und ein paar staubige Strassenschluchten besehen durfte, per Zug 14 Stunden lang nach Hyderabad, wo ich nun in einem Internet-Cafe sitze. Ohne lange Erklaerungsversuche (dazu muesste ich schon von dem buddhistischen Moench Sisara und Kerala-Klaus erzaehlen) bekenne ich nun, dass ich mich fuer die naechsten 10 Tage ins Dhamma Khetta Meditation Centre begeben werde, um einem Vipassana-Mediations-Kurs beizuwohnen.

Da ich dort weder lesen, schreiben noch reden darf, habe ich danach sicher eine ganze Menge zu berichten - wer also Skype-faehig ist, lasse mir eine Mail zukommen, ich werde ihn gern an meiner wieder gewonnennen Redelust teilhaben lassen (nur mit dem Zuhoeren wirds wahrscheinlich schwierig...)

Mehr von mir dann in Baelde und bitte keine Klagen - diesmal hab ich ja einen Grund, den Blog zu vernachlaessigen.

Robin