In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Donnerstag, September 22, 2005

Rent a cinema

Wie schon vor ein bis acht Wochen (die liebe Zeit, die funktioniert hier nicht richtig!) angedacht, haben wir uns heute mal ein ganz intimes Kino-Erlebnis gegoennt. Im eigens fuer uns spielenden Lichtspielhaus lief der von allen Seiten heissempfohlene 'Sakar', die indische Version des 'Paten' mit dem indischen Super-Mega-Star Amitabh Bachchan sowie dessen Sohn, der nach 17 Flops in Folge mit diesem Film seinen Durchbruch schaffte. War echt atmosphaerisch und filmisch gut gemachtes Kino, alle Achtung. Schoene Nummer.

Um in diesen Film-Genuss zu kommen, mussten wir allerdings mit 'indischen Methoden' arbeiten. Denn zuvor hatte der Kino-Besitzer einen schon abgemachten Vorfuehr- Termin platzen lassen und sich danach angegeben, die Kopie des Filmes sei 'verloren gegangen'. Als ich das Avni, einer lustigen Kommilitonin, erzaehlte, meinte sie sofort, der Kino-Besitzer wuerde uns verarschen, weil wir nur mit fuenf Mann angerueckt seien, er dafuer aber nicht sein Programm aendern wolle. Ihr guter Tipp: Erzaehl dem Typen einfach, ihr kommt mit mehr Leuten. Gesagt, getan, gestern bin ich also nochmal zum Kino und fragte nach. Wiederum die Antwort, der Film sei unauffindbar. 'Wie schade, darauf ich, 'mittlerweile sind es 20 Leute, die sich den Film anschauen wollen.' 'Okay, i'll talk to the boss', so die prompte, mit erfrischender Selbstverstaendlichkeit vorgetragene Reaktion.

Etwas unwohl fuehlte ich mich dann allerdings schon, als wir heute morgen zum Kino steppten. Denn da Henning, Edith und Frank abgesagt hatten, blieben nur noch Maren, Kirsten und ich uebrig. Also mussten fleissig Handy-telefonate vorgetaeuscht und obligate 15 Minuten gewartet werden, bevor wir dem etwas traurig dreinblickenden Movie-Man eroeffneten, dass die anderen Besucher leider 'verloren gegangen..., ich meine natuerlich, dass sie sie wegen 'wichtigen Termine' nicht mehr kommen koennten. So spielt das Leben.

Der Besitzer quittierte unseren Coup nach dem Film dann fairerweise mit einem Grinsen. Er wollte nichtmal das Bakschisch, das wir ihm aufgrund eines doch leicht schlechten Gewissens geben wollten, annehmen. 'Beim naechsten Mal kommen wir wirklich mit 20 Leuten', meinte Kirsten zum Abschied noch, waehrend der Kino-Mann hinter seinem Grinsen wahrscheinlich dachte 'jaja, is klar. Nur leider verbrenn' ich beim naechsten Mal euren Wunsch-Film eher, als dass ich mich von euch Weissbroten nochmal verarschen lasse.'

Robin