In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Montag, August 01, 2005

Im Krankenhaus - aus der Sicht der Betroffenen

Spaetestens seit dem Irak-Krieg wissen wir ja alle, dass die Wahrheit zwar nicht immer mehrere Seiten hat, aber manchmal auch stark von der Perspektive des Betrachters abhaengt. Was jetzt aber nicht heissen soll, dass meine Geschichte vergleichbar ist mit der von Mr. Bush und Maren... anyway, hier ist auf jeden Fall die Schilderung von Marens 'Breakdown' aus ihrer ureigenen Sicht.

Frei nach dem Motto „einer muss ja der Erste sein“, kam ich von uns Vieren als Erste in den Genuss eines indischen Hospitalbesuches. Ob es nun am Wetter, Essen oder schlicht an der Tatsache lag, dass ich just einen Tag vor meiner unreiwilligen Einlieferung mit erstauntem Stolz meine offensichtliche Neigung zu unbegrenzter Gesundheit kundgetan hatte - nachmittags während eines Drehs auf dem Campus passierte es. Schwindel, Übelkeit, Kniezittern. Die nächste freie Couch stand in der Bücherei und während Robin die Kameraausrüstung wegbrachte, kämpfte ich mich den dreimal so lang erscheinenden Weg zum rettenden Sofa entlang. Auf die Frage einer freundlichen, mir gegenübersitzenden Inderin, wie mir Manipal bisher gefiele, brachte ich es immerhin fertig nicht vor ihr auf den Boden zu kotzen. „I have problems with my stomach“ war meine einzige, auch nicht gerade höflichere Antwort. Eine freundliche Mitstudentin trieb eine Riksha auf, die Robin und mich zum Krankenhaus kutschierte. Während Dina und Robin meine Personalien zu Protokoll gaben, setzte ich mich auf ein metallenes Bett und betrachtete die Betten und Schränke neben mir. Dass ein indisches Krankenhaus nicht mit den deutschen Hospitälern zu vergleichen ist, war mir klar. Das veraltete, medizinische Equipment und die vielen Menschen in einem Behandlungsraum stellten daher nicht das Problem dar. Mich irritierte vielmehr die Lampe schräg über meinem Bett, die ihre Funktion als ehemaliger Autoscheinwerfer offenbar aufgegeben hatte und nun zur besseren Ausleuchtung von Blinddarm & Co diente. Auch der Totenkopf auf einem im Regal stehenden, mit Flüssigkeit gefüllten Glas, trug nicht zur Besserung meiner mentalen Kondition bei. Mit schweissnasser Stirn versuchte ich schließlich dem Arzt meinen „breakdown“ zu erklären. Unfähig mich nach dem Erlebten in der englischen Sprache korrekt zu artikulieren- ich wollte etwas von Durchfall und Kreislaufstörung erzählen - fasselte ich etwas von liquid food und bad blood system. Worauf der diensthabende Arzt logischerweise annahm, ich sei wohl dem Tode nahe und mich an einen alten Wagenheber anschloss, welcher sich glücklicherweise schnell als antikes Blutdruckmessgerät entpuppte.
Glücklicherweise war alles nicht so schlimm wie befürchtet und mit Erleichterung erfuhr ich ,dass Durchfall nicht den zartbeseiteten Europäern vorbehalten ist, sondern durchaus auch Inder erwischt. Ein Rat zum Schluss: Ein paar medizinische Vokablen im Hirn zu haben erspart einem die Peinlichkeit auf Englisch umschreiben zu müssen, was Durchfall ist…