In der Ferne

Ein halbes Jahr in Indien. Hier schreiben wir unsere Erlebnisse nieder. Fuer Euch umsonst, natuerlich.

Montag, Januar 16, 2006

End of the Road


Nach sechs Monaten, 13 Staedten, ca. 120 Stunden in Bus und Bahn, 78 000 Mueckenstichen und jeder Menge interessanter Bekanntschaften endet heute auch fuer mich das Indien-Abenteuer.

Ob auf den mal regenueberfluteten, mal heimeligen Strassen Manipal, in daemmrigen Bars und Diskotheken, den mal mehr, mal weniger heiligen Boeden diverser Ashrams, den vor Getuemmel und Abgasen strotzenden Main-Roads indischer Grossstaedte, in unzaehligen Tempeln, Forts und Hoehlen, auf den Planken eines Hausbootes im idyllischen Kerala oder, oder, oder... fast immer habe ich die Zeit hier genossen - und dabei auch einige Freunde hier gewonnen. (auch wenn einige von ihnen mir manchmal nach einem gemeinsamen Foto nur schnell die Hand geben und weiterziehen wollten;). Indien hat sich fuer mich als ein Land, na klar, mit vielen Gegensaetzen, tiefer Relioegisitaet, manchmal hektischem, manchmal herzlichen Gemeinwesen und diversifizierter landschaftlicher und kultureller Vielfalt praesentiert, dessen Schattenseiten zwar offenbar, aber keinesfalls dominierend sind. Es ist weder wie ein Bollywood-Film, noch wie ein scharfes Curry-Gericht: Es ist tatsaechlich das, was man draus macht.

Ich fuer meinen Teil nehme ein ganzes Kaleidoskop schillernder Erinnerungen mit und hoffe, all diejenigen, die von Zeit zu Zeit auf diesem Blog vorbei geschaut haben, haben einen kleinen Einblick (nicht zuletzt dank Hennings hervorragender Fotos!) und viel Appetit bekommen, eines Tages selbst in die Riksha zu steigen, gelassen ueber einen Fahrtpreis zu verhandeln und anschliessend zuzusehen, mit welcher Gottesgewissheit noch der engste Verkehr und die heiligste Kuh umkurvt werden kann.

Ich jedenfalls komme wieder!

Robin

Dienstag, Januar 03, 2006

Abschied und ein Trip zum Dach der Welt


Es heisst Abschied nehmen von Indien!
Nach einem knappen halben Jahr geht’s bald wieder in die Heimat – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Mein letzter Eintrag liegt lange zurueck, als mein Vater und ich noch am Fusse des Himalaja, in Rishikesh, standen. Unser naechstes Ziel war Shimla, jedoch musste erst eine lange Busfahrt hinter uns gebracht werden. Wir erreichten erschoepft Chandigargh, eine durch und durch untypische indische Stadt, weil sie von dem franzoesischen Architekten LeCorbusier entworfen wurde. Nach einer Nacht bestiegen wir im Nachbarort Kalka eine Schmalspurbahn und verbrachten die naechsten sechs Stunden auf dem Weg nach Shimla, der Hauptstadt von Himachal Pradesh. Auf 2500 Metern Hoehe erwartete uns eine traumhafte Stadt, in der die Wege sich um sieben Gipfel winden und die Haeuser im Fachwerkstil gebaut oder gleich als schottische Festungen entworfen wurden. Hierher verlegten die Englaender in den heissen Monaten ihre Hauptstadt und der beruehmte Reisende Thomas Cook liess sich hier fuer zwei Jahrzehnte nieder.
Am Bahnhof wurden wir von Anil in Empfang genommen. Ich hatte ihn fast zwei Monate vorher in der Wuestenstadt Jaisalmer kennen gelernt und er sollte fuer die naechsten Wochen unser Freund und Fuehrer durch die Berge sein. Nach einer Eingewoehnungsphase in Shimla – die Luft ist doch duenn in solcher Hoehe – und einer gewaltigen Geburtstagsparty am ersten Weihnachstag mit Anils Familie, setzten wir uns mit einem Fahrer in ein kleines Auto und machten uns zu den grossen Bergen auf. Unsere Route verlief im Groben rundum das Sutlej-Tal, von Shimla bis zur letzten Tankstelle vor Spitti, das geheime Plateauland im Himalaja. Das Reisen in Indien war fuer mich nie vom Komfort gepraegt, das Reisen in den Bergen aber ist besonders anstrengend im indischen Winter: Die Hotelzimmer, so gut sie auch waren, hatten bei Temperaturen knapp ueber 0 Grad keine Heizungen und selten einer gute, warme Dusche, ausserdem machte die duenne Luft das Wandern erschwerlich. Was wir so richtig merkten, als wir einen fuenf Kilometer langen Anstieg zum „Schreibtisch“ Anils unternahmen – dem Hatu Peak. Auf dreineinhalbtausend Metern erklaerte uns Anil den Bergzug, den wir vor uns sahen. 6000er und 7000er!
Unser noerdlichster Punkt hiess Sarahan, eine Stadt auf 2500 Metern die einen knapp 1000 Jahre alten Tempel beherrbergt. Wir im Westen kennen Kali als blutruenstige, mit Totenkoepfen behangene Goettin, fuer die es in alter Zeit Menschen- und heute noch Tieropfer gibt. Im Norden von Indien ist sie jedoch die meistvergoetterte Version von Parvati, Shivas weise Partnerin. Die Berge in dieser Umgebung koennen einem in vielerlei Hinsicht den Atem rauben und die kahle Landschaft liess mich raetseln, warum Menschen dort oben leben wollen. Als wir jedoch auf unserem Rueckweg auf 1000 Metern ankamen und unsere Glieder in dem heissen Heilquellen von Tattapani entspannen konnten, erwartete uns ein paradiesisches Tal mit Palmen, Bananen, Chillifelder, Orangen, Papayas, Mangos ...
Nach dem Abschied von Anil in Kalka verbrachten wir beiden Sylvester im Zug Richtung Delhi, wo ich meinen Vater ins Flugzeug setzte und noch ein paar Tage verbringen werde. Hier sah ich zum ersten Mal nach Monaten Regen (wir hatten allerdings Schnee in Himachal Pradesh).

Nach geschaetzten 5000 Kilometern Reise vom Sueden in den Norden kann ich sagen, dass ein paar Monate nicht ausreichen, um dieses Land vollstaendig kennen zu lernen – ich bin mir nicht sicher, ob ein Leben reicht. Aber einen guten Eindruck habe ich von dem Subkontinent bekommen, dessen Menschen in der Regionen so verschieden sind. Und eben diese werde ich neben den fantastischen Straenden, gewaltigen Bergen und Bauwerken wohl am meisten vermissen. Allen voran gilt mein Dank meinen Jungs aus Manipal: Santosh, Rohan, Jeetendra und Govind – take care...

Henning

(oben seht ihr das nebelverhangende Shimla)
The Mall, die Einkaufsmeile in Shimla. Erinnert alles ein wenig an den Schwarzwald, nur dass der nicht so hoch liegt. Affen rennen hier auch noch rum, was mein Vater nach einer Attacke auf seine Brille jetzt sicher nicht vergisst.
Die Party bei Anils Familie! Irgendjemand von den 75 Verwandten (die alle zusammen wohnen!) hatte Geburtstag. Die heimlichen Stars der Party waren aber mein Vater und ich. Ich soll uebrigens wie ein waschechter Sikh tanzen... ihr wisst schon, die mit den Dolchen, Turbanen und ueberdemensionalen Unterhosen.
Mein Vater und ich nach einem anstrengenden Anstieg auf dreineinhalbtausend Metern Hoehe. Duenne Luft und hervorragende Aussicht auf die grossen Burschen.
90 Grad hatte die Wand, in die vor hundert Jahren die Strasse geschlagen wurde. Wie auch in den Staedten heisst es hupen - an jeder Ecke, es koennte die letzte Kurve sein!
Die Berge! Ich meine: Die hoechsten Berge der Welt!!! Kommt natuerlich nicht ganz auf dem Foto rueber - aber wenn ihr genau schaut, koennt ihr in der linken Bildhaelfte eine kleine schwarze Spitze im Schnee erkennen. Das ist das Heim von Shiva... sagen auf jeden Fall die Leute aus Sarahan (unten).
Anil und ich im Hotelzimmer. Lange konnte ich es allerdings nicht ohne warme Sachen und nur im T-Shirt im Raum aushalten!
Das war unser letzter Ausblick auf den Sutlej. Links ist das beschauliche Tattapani mit seinen heissen Heilquellen. Die Stadt liegt schon unter 1000 Metern.
Hier lerne ich mal schnell Sitarspielen. Nein, so einfach ist es nun doch nicht, allerdings auch nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt habe.

Freitag, Dezember 30, 2005

Wir senden Gruesse bis an das Ende der Wueste


Hier der Grund fuer die erneute Blog-Funkstille: Anna ist jetzt endlich auch hier in Indien und ihr geht es gut - wenn sie nicht gerade den Fischern in Kochin beim Steinfischen helfen muss. (Was macht man nicht alles, um ein paar Rupien fuers Essen zu sparen;) Naja, wie ihr seht, ist ihr das Lachen trotzdem nicht vergangen.

In den letzten beiden Wochen haben wir in Pondicherry die Meeresbrise genossen und bei einer Japanese-Stadtrundfahrt die Sinne ueberflutet, in Trichy und Madurai hauptsaechlich Tempel angeschaut sowie Weihnachten ueber den Daechern der Stadt verbracht und sind dann in Kochin endlich zur Ruhe gekommen.

Kerala nennt sich nicht zu Unrecht 'God's own country', es ist wirklich traumhaft hier. Bei Backwater-Touren oder einer ayurvedischen Oelmassage ist das Chaos und die Hektik Indien meilenweit weg. Wir werden morgen hier bei Seafood gemaechlich ins neue Jahr gleiten und wuenschen euch allen da draussen, dass ihr genauso gut reinrutscht, wie es sich hier gerade anfuehlt!

Robin

Tempel in Trichy


Der Tempelkomplex in Trichy besteht aus 13 solcher Tuerme und ist ziemlich imposant. Nicht-Hindus duerfen sich allerdings nur die weniger heiligen Teile anschauen.

Pondy und der Ashram


Der mit Glasscherben bewehrte Zaun, der das Park Guest House des Sri Aurobindo Ashrams von der Aussenwelt trennt, gibt ein ziemlich symboltraechtiges Bild ab.

Denn wie uns der Guide bei der Stadtrundfahrt berichtete, reflektiert es das Verhaeltnis zwischen den Ashram-Mitgliedern und den Einheimischen in Pondicherry.

Der tamilischen Bevoelkerung ist es naemlich verwehrt, die Schule des Ashrams zu besuchen, auch bei Konzerten oder der abendlichen Meditation muessen viele Einheimische draussen bleiben.

Im Sinne des Ashram-Gruenders Sri Aurobindos duerfte dieses arrogante Verhalten hoechstwahrscheinlich nicht gewesen sein. Denn bevor der Mann zum Guru wurde, zaehlte er lange Jahre zu den Speerspitzen der indischen Unabhaengigkeitsbewegung. Und die hatte sicher nicht zum Ziel, alte Klassenschranken durch neue zu ersetzen.

Hampi im Wahlfieber


Hampi ist eine Stadt mit besonderer Atmosphaere und wechselvoller Vergangenheit. Von hier aus herrschte die maechtige Vijayanagar-Dynastie lange Zeit ueber ganz Suedindien. Im 15.Jahrhundert soll Hampi groesser und maechtiger als Rom gewesen sein. Dann uebernahmen sich die Herrscher ein wenig und verspielten ihr gesamtes Imperium. Hampi wurde restlos gepluendert und verkam lange Zeit zur Geisterstadt, bis es im 19. Jahrhundert als Touristenattraktion wieder entdeckt wurde. Heute gibts in Hampi jede Menge Tempel - und noch mehr Ruinen. Umrahmt wird der Ort von einer in Rot getauchten Felsenlandschaft, die aussieht, als haette ein Riese hier mit gigantischen Baukloetzen gespielt. Ein Platz, wie geschaffen zum Chillen und Verweilen.

Waehrend meines viel zu kurzen Besuchs in Hampi war uebrigens nicht Volksfest, wie mancher vielleicht angesichts der Fahnen denken mag, sondern Wahlkampf. Wie ich spaeter in Villapuram beobachten konnte, aehnelt der bei Wahlveranstaltungen uebrigens manchmal eher einer Revolution, so enthusiastisch sind die Besucher. Eigentlich auch kein Wunder, bekommt doch jeder Zuhoerer, der die Reden der Kandidaten bis zum Ende anhoert, 100 Rupien bar auf die Hand. Da das anscheinden jede Partei so zu pflegen scheint, verschafft das wahrscheinlich keinen grossen Vorteil - ist fuer das Volk aber allemal besser als lauter leere Versprechungen...

Robin

Montag, Dezember 19, 2005

Zu Fuessen des Himalaja


Zuerst muss ich mich wohl bei allen Lesern entschuldigen, dass ich jetzt seit nunmehr drei Wochen keinen Eintrag mehr gemacht habe – aber wenigstens ist Robin in die Bresche gesprungen.
Ich verbrachte ganze zwei Wochen in Pushkar, enspannte mich und begruesste fuer ein paar Tage Maren, die sich auf den Weg Richtung Sueden befand. Dann ging es nach Delhi, der turbulenten Hauptstadt, um einen Ueberraschungsgast in Empfang zu nehmen (Aufloesung auf den unteren Fotos).
Delhi ist laut, dreckig, schnell und der Smog laesst selten zu, dass man die Sonne direkt sieht. Trotzdem kreisen grosse Greifvoegel ueber den Gassen, laufen wie ueberall Kuehe und Hunde umher und klettern die Streifenhoernchen an den Mauern entlang. Lange haben ich und mein Gast das nicht ausgehalten und stiegen in ein Taxi fuer sechs Stunden Richtung Norden.
Jetzt sind wir in Rishikesh am Ganges, beruehmt geworden durch die Beatles, die hier in den Sechzigern fuer einige Monate meditierten und heute immer noch Heim von unzaehligen Yoga-Ashrams. Zudem kommen pilgernde Inder an die mit weissem Sand bedeckten Ufer und waschen sich mit dem heiligen Nass (hier ist des ganga noch klar und ungiftig). Hier fangen die ersten Auslaeufer des Himalajas an, dessen schneebedeckten Gipfel unsere naechsten Reiseziele beherbergen. Noch sind wir nur auf knapp 300 Metern, aber die Naechte sind schon im einstelligen Temperaturbereich – dafuer sind die Tage angenehm warm. Bald geht es weiter auf knapp 2500 Meter, zu der hill station Shimla.

Ach ja: Ein frohes Fest Euch allen!

Henning

Und hier der Ueberraschungsgast: Mein Vater! sichtbar geniesst er die frische Luft nach Delhis stinkenden Gassen.

Das Ufer des Ganges mit seine tuerkisenem Wasser. Auf die andere Seite kommt man nur ueber die Haengebrucke, ueber die Touris, Motorraeder, Kuehe, Pilger und Esel reiten, fahren pilgern und wandern.

Alena isst? Ne, Affe isst - und zwar Popkorn. Dabei schaut er keinen Kinofilm, sondern den Passanten beim Ueberqueren der Haengebruecke zu.

Ihr seht den Stadtteil Paharganj in Delhi. Hier steigen die backpacker fuer ein paar Naechte ab, weil alle Moeglichkeiten zur Weiterreise nah sind. Trotzdem: Nichts wie weg!

Montag, Dezember 12, 2005

Die indische Kunst zu werben Teil 2

Was fuer den deutschen Bauarbeiter der Winter ist fuer die Bewohner indischer Touristenorte der Monsun: Ausser Spesen nix gewesen...

Auch Matheran faellt in der Zeit von Juli bis Oktober in einen feuchten Tiefschlaf, allerdings keinen sonderlich angenehmen, sondern einen, der im Beutel, aehem, also im Geldbeutel richtig weh tut.

Wer macht sich auch schon freiwillig auf den Weg, um durch verschlammte Wege zu waten, um von dort in eine Nebelsuppe zu gucken? Aber halt, das ist nicht fair, findet voellig zu Recht das Matheraner Tourismus-Department, dass weder Druckerschwaerze noch Hirnzellen gescheut hat, um in einem Ortsfuehrer auf die wahren Freuden der Regenzeit in Matheran hinzuweisen.

Und wen das immer noch nicht ueberzeugt, dem Dauerregen- und -Sturm zuliebe in die Hillstation zu kommen, der hat wahrscheinlich waehrend des Monsuns schon andere Freizeitvergnuegen wie kurzweilige Darmspiegelungen oder Aktiv-Urlaube in Guantanamo im Terminkalender stehen...

Robin

Die indische Kunst zu werben Teil 1

In Indien, da ist nicht wirklich alles eitel Sonnenschein. Mal abgesehen von vier Monaten Mosun, der zeitweilig ganze Staedte ueberflutet, muessen die Menschen hier mit allerhand anderen Widrigkeiten klarkommen: Mangelhafte Infrastruktur, Armut, Korruption...
Manch einer ist hier schon zufrieden, wenn er vier Waende aus Blech um sich und genug zu essen auf dem Palmenblatt hat. Was bleibt auch uebrig, 40 Prozent der Bevoelkerung leben in diesem Land unter der Armutsgrenze! Addiert mit dem regionalen und religioesen Spannungspotential (5 Hauptreligionen, 16 verschiedene Sprachen!), ist es eigentlich ein Wunder, dass die weltgroesste Demokratie schon seit ueber 50 Jahren Bestand hat.
Was ist es aber, dass diesen gigantischen Melting pot hier zusammenhaelt? Eine Erklaerung dafuer liegt in der indischen Mentalitaet verborgen: Denn die meisten Inder sind wahrlich hart im Nehmen. Selbst groessere Unannehmlichkeiten sind kein Grund zum Jammern. Ob in ueberfuellten Langstreckenzuegen, wo man eben im Stehen schlaeft, im Strassenverkehr, wo selbst die halsbrecherischten Manoever anderer Verkehrsteilnehmer relaxt weggesteckt werden (falls sie nicht doch in der Kollision enden) oder beim Essen, wo das genommen wird, was gerade da ist. Auch wenn es eben zum siebenhundersten Mal nacheinander Reis mit Beilage ist.
Man richtet es sich ein und ist dabei meistens zufrieden. Eine Eigenschaft, von der wir Deutschen nur lernen koennen! Dass hier auf diese Weise auch einiges (weissgott nicht alles!) im Argen bleibt, ist natuerlich die andere Seite der Medallie.
Nach dieser eleganten Einleitung komme ich also schon zuegigst zum Thema dieser brandneuen Kategorie. Denn ein durchaus amuesanter Aspekt eingangs beschriebenen Mentalitaet ist die indische Vorliebe dafuer, gnadenlos zu uebertreiben. Allenfalls durchschnittliche Absteigen scheuen sich nicht davor, sich 'Royal Lodge' oder 'Sultans Palace' zu nennen und wenn auf Speisekarten Gerichte erklaert werden, sind sie nicht selten die leckersten in der ganzen Stadt. Weitere Beispiele entblaettern sich dem aufmerksamen Besucher zuhauf und manchmal, wenn ein in der Kunst der Ueberzeugung nicht ganz so bewanderter Geist dahinter steckt, nimmt die Schoenfaerberei groteske Zuege an.
So auch bei dem auf dem Foto verewigten Blechschild, dass die Tuer eines etwas herunter gekommenen Kiosks in Matheran zierte. Dem Alter des Schildes nach zu urteilen, ist der letzte Entwicklungsschritt des Gesundheits-Eises schon ein Weilchen her. Also durchaus moeglich, dass das Windy-Team mittlerweile schon viel weiter ist. Vielleicht kann das Eis mitterweile Krebs heilen oder bewirkt als Athritis-Salbe Wunder? Auf jeden Fall ist es ein nettes Kontrast-Programm zu der fiesen Oorlog-Sosse auf Markus Blog...
Robin

Im Hoehenrausch

Wenn den Mumbaianern und Pune-isten mal wieder Smog und Stress zu viel werden, dann setzen sie sich in den Zug und fahren nach? Richtig, Matheran. Die Menschen dort leben seit 150 Jahren, da wurde der Ort von einem englischen Offizier entdeckt, aussschliesslich vom Tourismus. Zurecht.

Auf einem ovalen Plateau in etwa 900 Hoehenmetern zwischen den beiden Megalopoli (man korrigiere mich, falls diese Endung nicht stimmen sollte) gelegen, bietet Matheran wunderschoene Aussichtspunkte auf Felslandschaften, Bergkaemme und die umliegenden Staedte. An nebelfreien Tagen kann man sogar bis Mumbai schauen. Und das beste: Matheran ist komplett autofrei. Hoch gehts nur per pedes, hoch zu Ross oder in der handgezogenen Riksha, an der sich drei Inder abmuehen muessen.

Eine wahre Wohltat fuer Lunge und Ohren. Da verschmerzt es sich leicht, dass weder Internet noch Handynetz in Matheran vorhanden sind. Und auch im Umweltschutz sind die Matheranis weit vorn: Die Benutzung von Plastiktueten wird mit 1000 Rupies Strafe geahndet, der organische Abfall wird per Wurmkultur kompostiert, es gibt 50 Muellcontainer (!) und abends stellt man durchschnittlich zwei Stunden den Strom aus. Na gut, letzteres ist vielleicht nicht unbedingt gewollt, aber auch das spart Energie...

Die drei Tage dort habe ich mit langen Maerschen zu den ingesamt 36 Aussichtspunkten gefuellt und sehr genossen, auch wenn ich mal wieder auffiel wie ein gruener Eisbaer und allenthalben begafft, angequatscht und in Gruppenfotos gezogen wurde.. Ich glaub, vor dem dem naechsten Indien-Urlaub lass ich mir Autogrammkarten drucken…

Robin

Guru Check-up - letzter Teil

Und wieder um eine Erfahrung reicher.

Nachdem ich zwei Tage lang mit mir gerungen habe, habe ich mir letztenendes doch das Osho Meditation Resort in Pune von innen angesehen, wo ‘eine Gesellschaft voll von Taenzern, Saengern und Kuenstlern’ dem grauen Alltag entflieht – und nebenbei noch ein wenig was fuers Seelenheil tun moechte.
Gut 15 Jahre nach dem Tod des populaersten, aber auch umstrittensten indischen Export-Gurus Bhagwan Rajneesh, der sich in seinen spaeten Jahren in Osho umtaufte, zieht sein Vermaechtnis immer noch Scharen von Westlern sowie langbaertigen Indern in seinen Bann. Ins Resort herein kommt aber nur, wer eine fuer indische Verhaeltnisse nicht geringe Menge Rupien abdrueckt, zudem will eine weinrote sowie eine weisse Robe erstanden werden, Aehnlichkeit schafft schliesslich Vertrauen (und nebenbei noch etwas Profit).

Wer angesichts des immerhin offensichtlichen Kommerzes nicht an den Motiven der ‘Sanyasins’ zweifelt (diesen Namen fuer seine Anhaenger hat Osho uebrigens den Hindus geklaut – dort sind Sanyasins allerdings Erleuchtung suchende, die allen materiellem Besitz entsagen – eine nicht gerade subtile Ironie) findet einen opulenten Freizeit-Meditations-Park mit grossem Swimming Pool, Sauna, Fitness-Trakt sowie stylishen Outdoor-Restaurants. Nebenbei werden aufgepeppte Zen-Meditationen sowie zahlreiche Kurse zur Selbstfindung angeboten. Die Besucherschar, als ich da war, moegen etwa fuenfhundert andere da gewesen sein, teilt sich in Verzweifelte, Exotik-Touristen sowie Hardocore-Devotees.

Ja, und wie wars? Nun, die koerperlich anstregendenen Power-Meditationen waren ganz nett, wenn auch nicht weltbewegend. Viel tanzen, so ausgelassen wie moeglich - das liegt mir ja nicht wirklich fern ;) Die Leute, mit denen ich sprach, waren durchaus nicht alle perrueckt und mein Gott – sollense lieber dahin fahren, als dass sie androgynen Center-Parks ihr Geld in den Rachen schmeissen.

Andererseits war die Huldigung, die Osho, der angeblich gar kein Guru sein wollte, in weiten Teilen entgegengebracht wurde, schon ziemlich erschreckend. Naeheres zu diesem Aspekt gibts in folgender, gut geschriebenen Selbsterfahrungsreportage. Die Einschaetzung des Autors, vor allem in den letzten beiden Absaetzen, kann ich nur unterstreichen: Ohne Osho koennse nicht, und manche zartbesaitete Seelen gehen ausserhalb der Ashram-Mauern tatsaechlich ein wie Primeln.

So auch die Deutsche in den Mittfuenzigern mit tiefen Augenringen. die ich am letzten Abend in einem Café nahe des Ashrams kennenlernte. Ehemals gluehende Verehrerin, wohnt sie seit einem Jahrzehnt in Pune und schlaegt sich als Masseuse so durch. Den Eintritt ins Ashram kann sie sich schon lange nicht mehr leisten. Heute lebt sie in einer Welt, wo "die ‘people power’ moederisch geworden ist, wo der ‘Speed die Menschen umbringt, wo es keine Kommunikation mehr gibt, wo alles beschissen ist." Sie war echt bemitleidenswert.

Und fuer mich steht jetzt fest: Von Gurus hab ich die Nase voll.

Ach ja, oben stehendes Foto entstand waehrend einer Totenfeier, bei der der Leichnam eines Devotees, der einem Herzinfarkt erlag, in einer Karnevelsaehnlichen Prozession zum nahegelegenen Fluss gebracht und verbrannt wurde. Dabei wurde gesungen und getanzt, eine nur fuer Aussenstehende befremdliche Atmosphaere – schliesslich ging es fuer den Toten auf ins naechste Leben.

Robin

Sonntag, Dezember 04, 2005

Sightseeing galore

Nun bin ich also Tourist.

Nachdem ich Hyderabad am 1. Dezember mit weniger als einer Traene im Knopfloch Lebewohl gesagt habe, brachte mich der Overnight-Train nach Aurangabad. Ja, richtig, die Stadt, die an hiesiger Stelle schonmal als haesslich verschrien wurde. Und ja, besonders schoen ist Aurangabad auch nicht.

Dafuer sind gleich zwei Weltkulturerbe(n?) in Steinwurfweite. Sowohl in Ellora als auch in Ajanta haben sich Generationen von Moenchen die Zeit damit vertrieben, auf kunstvolle Art Hoehlen in die Felslandschaft zu meisseln. Must see!-schreit der Reisefuehrer. Ich fasse also den Plan: Hin.

Am Fruehstueckstisch werde ich von Mark aufgerissen, der mich mit der Suedkoreanerin Stella zusammen zu einer Auto-Tour nach Ellora ueberredet. Ich muss wohl
a)sehr muede gewesen oder sein oder
b)meine Menschenkenntnis war gerade auf Klo

Jedenfalls entpuppt sich Marc als muerrisches Exemplar eines 65-jaehrigen, Ex-Sonnenstudiobetreibenden, fdeutschen Backpackers (wenn es von der Sorte auch coole Leute gibt, her mit der Info, da mach ich ne Story draus!), der ueber Indien ungefaehr folgendes zu sagen hat: Alles total schmutzig, die Hygiene unter aller Sau, muesste alles renoviert werden (!), die Inder alle dumm, wieder komm ich jedenfalls nicht. Es wird eine harte Geduldsprobe und nein, stolz auf meine Herkunft bin ich an diesem Tag nicht gerade.
Die Hoehlen waren aber ganz schoen. Highlight ist der Kailasa-Tempel, fuer den zurecht 200.000 Tonnen Gestein aus der Landschaft entfernt wurden - ein atemberaubender Anblick. Fotos gibt es wieder nicht, reiche ich bei Gelegenheit nach.

Am naechsten Tag besuche ich mit Stella zusammen Ajanta. Viel besser, sagte Marc noch, der sich zum Glueck am vorigen Abend selbst nach Mumbai verklappt hat. In der Tat ist auch das ein Erlebnis. Ein einem Halbkreis von ca. 3 Kilometern erstrecken sich 29 Hoehlen, deren Eingaenge Saeulen stuetzen. Innen zieren Malereien und Verzierungen die Waende, waehrend im hinteren Teil stets Buddha in Form einer ueberdimensionalen Statue ueber das Geschehen wacht. Inmitten des Hoehlen-Halbkreises befindet sich ein Flussbett, dass von farbenpraechtigen Baeumen gesaeumt wird, netter Ausblick im Eintrittspreis also inklusive. Da macht man auch gerne mal 800 Fotos fuer die Reisegefaehrtin, die augenscheinlich gern posiert und Beweisfotos haben will, die dokumentieren, dass sie tatsaechlich hoechstselbst an allerhand Orten war. Wie im Klischee-Kino, oder Alena? Das ist aber nichts gegen die Myraden von Verkaeufern, die an diesem Ort ueber die unschuldigen Westler herfallen und dabei hartnaeckiger und aggressiver sind als ein Bienenvolk, dass ein Fass Honig gewittert hat.

Nun, auch das ueberlebt man. Ich heisse ja nicht Marc und das ist schliesslich Indien, nicht Wanne Eickel. Ich esse also noch nett mit Stella und setzte mich nach kurzer Nacht in den Bus nach Pune, wo ich nun wiederum in ein Nest voll Sinnsucher geraten bin. Aber diese Geschichte soll ein ander Mal erzaehlt werden, denn sie hat gerade erst begonnen...

Robin

Mittwoch, November 30, 2005

Zurueck im Biz

Meine Lieben!

Ich habe es ueberstanden: 9 Tage lang die Schnauze halten. Ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhoert, schliesslich wurde ich in der Zeit auch von Kontaktaufnahmeversuchen a la 'HELLO BOSS!!!' oder 'HEEEYYY!!!!' verschont, was mich manchmal (zB heute) glauben laesst, ich sei ein 2 Meter 90 grosser Zyklop. Nur gut, dass ich jetzt dank Vipassana weiss, wie ich trotzdem die Ruhe bewahre. Aber im Ernst, es war mal eine Erfahrung. Ausfuerhrlich ueber den Kurs zu berichten, wuerde an dieser Stelle zu weit fuehren, nur so viel: Es war hart, aber ertragreich. Kann ich eigentlich nur empfehlen (s. www.dhamma.org)

Allerdings habe ich danach ein paar Tage gebraucht, um mich wieder an die Realtitaet, insbesondere einer indischen Grossstadt, zu gewoehnen. Hyderabad macht es einem da aber auch nicht einfach. Mein Hotel bezog ich direkt in einem Einkaufsdistrikt, die Mahathma Gandhi-Road (dieser Name = sicheres Indiz fuer Hauptverkehrader der Stadt) einen Steinwurf weit entfernt (dank an dieser Stelle an die Lonely Planet-Autoren. Wenn das fuer euch 'ruhig' ist, dann will ich lieber nicht wissen, was ihr mit 'saubere Kueche' meint.) Allein fuer das Ueberqueren der MG-Road brauchte ich uebrigens 15 Minuten, und geschafft habe ich es auch nur, weil mir ein Einheimischer die hier in diesen Faellen uebliche Augen-auf-und-durch Kamikaze-Technik beibrachte.

Ansonsten habe ich ein wenig Sightseeing (Buddha-Statue im See, Ramuji Film City, Planetarium) gemacht, nur Bilder kann ich momentan keine zeigen. Trotzdem moechte ich euch teilhaben lassen an meinen Erlebnissen. Schliesst also die Augen und setzt euch auf einen Melkschemel, ich nehme euch mit auf eine kleine Reise. Seid ihr so weit? Okay, eure Haare werden gaanz schwer. Vor euren Augen erscheint ein roter Ball, den ihr nun in durch die Nasenscheidewand Richtung Pupille...(Fortsetzung vertagt)

Euer grad ein wenig aufgedrehter Robin

Pushkar und die Puschen


Nach meinem Kamelabendteuer war eine solche Entspannung mal wieder noetig: Ich bin also in Pushkar angekommen, einem kleinen, aber von Touris bevoelkerten Staedtchen, fast rundum von Bergen umgeben. Der Ort wird unter Hindus als besonders heilig angesehen, weil einer ihrer hoechsten Goetter, Brahma, hier seinen Fuss auf den Boden gesetzt hat. Die Stadt liegt um einen fast viereckigen See, zugebaut mit alten Gebaeuden auf denen Zwiebeltuerme tronen.
Und weil in Pushkar alles heilig ist, muss man sich vor Betreten der Strassen die Regeln einverleiben: Keine Eier, Fleisch oder Bier in der ganzen Stadt; keine Fotos am See; und wie ueberall an gesegneten Staetten: keine Puschen auf geheiligtem Boden! Am besten man laeuft gleich Barfuss, um Streitereien vorzubeugen.
Nach hunderten von Tempeln und Palaesten kommt mir Pushkar sehr gelegen, ich kann auf dem lagen Bazar schlendern und die Berge ringsum erklimmen. Von einem dieser Trips ist auch das Foto, das ich per Selbstausloeser bei Sonnenuntergang geschossen habe.
Und weil es hier die Foto-Regel gibt, soll es heute nur das eine sein.

Euch allen noch schoene Tage, ich schicke Sonne nach Deutschland,

Henning

Sonntag, November 27, 2005

Ab in die Wueste


Mein Arsch ist wund!
Nun, diesen Satz habe ich gewaehlt, weil wir in unserem Journalistikstudium gelernt haben, des Lesers Aufmerksamkeit schon zu Beginn zu erhaschen.
Wie es dazu kam, dass mein Allerwertester so geschunden wurde? Es war kein geschrotteter Bus oder ein ungepolsterter Sitz in der indischen Bahn, nein es war das unbequemste Verkehrsmittel, das ich bis jetzt in diesem Land gefunden habe: ein Kamel.
Wie schon berichtet, hatte ich so langsam keine Lust mehr auf Palaeste oder Forts – und dann dieser Trip nach Jaisalmer, Hotel im Fort mit Blick auf die Wueste. Es ist natuerlich alles auf Touris ausgelegt, wenn auch die Stadt sich ihren Scharm bewahren konnte. Kaum war ich angekommen, wurde ich von Menschen belagert, die mir ein Zimmer plus Safari verkaufen wollten. Ich schlug mich durch die Menge und Angebote und landete in einem kleinen Gasthaus am spaeten Abend, buchte einen Kameltrip fuer drei Tage und verbrachte eine kurze Nacht: zum einen, weil nebenan eine Hochzeit gefeiert wurde und zum anderen, weil ich um fuenf Uhr morgen aus dem Bett geschmissen wurde, um Kaju zu treffen, mein Kamel.
Erst ging es per Jeep in die Wueste, die man sich hier nicht als Duenenlandschaft vorstellen darf, eher als Sandsteppe mit Bueschen und Baeumen an manchen Stellen.
Schon in Udaipur lernte ich, dass das Kamel in diesem Breitengraden als Symbol der Liebe gilt. Warum? Nun, ein Kamel ist so haesslich und stinkt dermassen ... wenn man eine solch daemliche Kreatur lieben kann, kann man alles und jeden lieben. Ich habe immer noch den Geruch von Kamel-Furz in der Nase und glaubt mir: was aus dem Mund des Tieres rauskommt, ist nicht besser!
Also rauf aufs Kamel, festhalten und versuchen, den Po moeglichst nicht allzu sehr zu belasten. Es war anstrengend! Dafuer wurden wir (dabei waren Teah und Esther aus Neuseeland und Linea und Ellen aus Schweden) mit schoenen Sonnenuntergaengen und einem fantastischen Sternenhimmel belohnt – nur an das Aufstehen bei Sonnenaufgang konnte ich mich nicht gewoehnen. Gekocht wurde im Sand, chapatis, Reis, curry und dal machten wir unter Anleitung unserer jungen Fuehrer Ismael und Mussah selbst.
Es war sicherlich eine tolle Erfahrung, auch wenn mein an dieser Stelle viel besungener Po immer noch leidet!

Nach dieser Wuestenstadt zieht es mich noch weiter nach Norden, nach Pushkar, einem winzigen und doch in Indien sehr heiligen Ort, in dem ich mich knapp eine Woche verbringen werde. Wie es ist, jedem Abend einer puja beizuwohnen, die einzigen Brahman-Tempel in Indien zu besichtigen und eine Woche lang keine tierischen Produkte zu mir zu nehmen, lest Ihr bald an dieser Stelle.

Henning

Ja, ich koennte vielleicht bald einen praechtigen Kamel-Reiter abgeben. Allerdings treibt mich die naechsten Wochen nichts mehr so schnell auf diesen Schinder.
Der Hut ist verwuestet und findet sein trockenes Grab im Sand. Ade, er hat mich treu auf meinen Reisen begleitet!

Ismael und Mussah bauten einen Sonnenschutz gegen die Mittagshitze und begannen, uns ein wuerziges Essen zu kochen. Aber erstmal gabs natuerlich Tee.

Jaha! Kamel koennen rennen - und wie! Teah hat es sichtlich genossen, Ismael ebenso. Und das Kamel? Na, mit einem Seil um den Sack - ich weiss nicht... Als Belohnung gabs allerdings einen Liter Butter fuer das arme Tier.

Nach einer solch anstrengenden Reise brauchten die Wuestenschiffe erstmal nen Humpen Wasser und ich spaeter am Abend ein Bier. Fuer unseren Biertester in Groningen: Kingfisher ist im Moment das einzige Bier hier vor Ort!

Montag, November 21, 2005

Ja so blau, blau, blau ...


Jetzt also Jodhpur. Waren Udaipurs Strassen schon wie aus einem Maerchen, muss ich dieser Stadt noch mehr Tribut zollen – und behaupten, ich habe Aladin auf einem Teppich durch die blauen Gassen fliegen sehen!
Nahezu jedes Haus ist in Himmelblau gestrichen, die Strassen mit Sonnensegeln ueberspannt und das Leben spielt sich wiedermal hauptsaechlich auf den Daechern ab. Die Gassen quellen ueber von Menschen, Kuehen und rikshaws. Ueber den Markt zu gehen, ohne etwas zu kaufen, ist ein Ding der Unmoeglichkeit (ich habe es geschafft, wohl wissend, dass mein Rucksack schon zum Bersten gefuellt ist!). Ueber den Daechern erhebt sich das riesige Fort und erklimmt man es auf gewundenen Wegen, bekommt der nun in der Mittagshitze sonnenverbrannte Touri einen Eindruck von der Groesse dieser Stadt. Hier gibt es zwar abends keine Kanonenschuesse (wie in Kapstadt, hier nachzulesen), dafuer rufen die Mullahs jeden Abend von den Moscheen, waehrend hin und wieder Raketen in den Himmel schiessen. Der Sternenhimmel ueber der Stadt und dem Fort ist jede Nacht wieder ein schoenes Bild, das ich von meinem Bett aus geniesse – weil es hier nicht so kuehl wie in Udaipur ist, bleibt meine Tuer zum Schlafen auf.
Ich glaube, ich bin jetzt an dem Punkt angelangt, an dem ich keine Palaeste oder Forts mehr sehen kann. Nur dumm, dass mich meine naechste Reise nach Jaisalmer in die Wueste fuehren wird - eine kleine Stadt innerhalb eines Forts.

Henning

Der Markt ist an dem beruehmten clock tower gelegen und ist vollgepackt mit Kleidungen, Gewuerzen, Gemuese, Kuehen (natuerlich lebendige!) und allerlei Fussvolk - wobei auch hier die rikshaws durch die Menschenmengen brausen.

Das ist der Blick aus meinem Zimmer am Abend! Das Fort ist riesig und von allen Punkten der Stadt aus zu sehen, wenn es denn die schmalen Gassen zulassen.

Es ist natuerlich fuer mich schwer, in einer Stadt zu sein, in der es groesstenteils nur vegetarisches Essen gibt. Aber mit solchen Leckereien werde ich schnell entschaedigt (schmecken eigentlich wie Salzstangen).


Die Strassen sind hier schon sehr eng, aber immer schoen schattig!

Man kann locker fuer zwei Stunden die Gassen entlangschlendern und in den Geschaeften stoebern.

Mittwoch, November 16, 2005

Eine Odyssey nach Udaipur


Nun, damit ich endlich dieses Image vom staendigen Strandgaenger loswerde, das auch noch an dieser prominenten Stelle von meinen "Leidensgefaehrten" kolportiert wird: Ich habe mein geliebtes Meer verlassen und kehre dieses Jahr nicht wieder zurueck!
Ich hatte angekuendigt, dass mich meine Reise (sie dauert uebrigens voraussichtlich noch zwei Monate an) zwei Tage Richtung Norden fuehrt. War das ein Trip... der am Ende ganze drei Tage dauerte. Aber der Reihe nach.

Ich verliess Hampi mit dem Zug in Richtung Aurangabad, einer nicht besonders reizvollen Stadt im Staat Maharashtra, und fand mich bald in einem kleinen Schlafabteil wieder, dass ich mir zu allem Ueberfluss auch noch mit einer muslimischen Kleinfamilie teilen musste. Will heissen: Mann, drei Frauen plus jeweils einem Sproessling. Nach ein Stunde hatten dann beide Seiten dem Schaffner klar und deutlich dargelegt, warum wir diesen Zustand der Enge nicht zehn Stunden beibehalten wollten und der nette Bahnangestellte gab mit einen Platz neben einem Hindu-Priester - keine schlechte Wahl, zumal der Typ ziemlich schweigsam war. Muss wohl zum gleichen Kloster gehoeren, zu dem es Robin gerade hin zieht, auf jeden Fall sagte er keinen Ton.
In Hyderabad durfte ich einen ganzen Tag am Bahnhof um die Ohren schlagen, lernte aber derweil nette Menschen kennen und palaverte so den Morgen und Nachmittag.
Nach durchschnarchter Nacht in einem anderen Schlafabteil landete ich in Aurangabad, im wahrscheinlich teuersten Hotel der Stadt (zehn Euro), aber wer feilscht gerne um ein Uhr morgens mit den durchtriebenen Indern! Ich gab mir am naechsten Morgen nicht fiel Muehe, die Schoenheit einer haesslichen Stadt zu entdecken und enterte den naechstbesten Bus nach Surat im Staat Gujarat. Weil in weiten Teilen dieses Gebiets Prohibition vorherrscht und auch die Zwei-Millionen-Metropole keinen guten Eindruck auf meine verschlafenen Augen machte, verbrachte ich fuenf Stunden mit Rumbummeln, bestieg den naechsten Bus und konnte es kaum erwarten, den Sagen umwobenen Staat Rajasthan zu sehen.
Diesmal hatte ich in weiser Voraussicht eine Schlafpritsche im Bus gebucht, nicht ahnend, dass ich dieses kleine Kabuff mit einem beleibten Punjabi teilen musste. Er schien ein netter Mensch zu sein, aber nur um sicher zu gehen, teilte ich ihm mit, dass ich eine Freundin habe (man weiss ja nie, schliesslich halten hier ausgewachsene Maenner Haendchen!). Als er sich dann mit einem Feuerzeug an einem braunen Klumpen zu schaffen machte, schloss ich ihn in mein Herz. Leider war es nur irgendein Raeucherzeug fuer seine allabendliche puja, ein zeremonielles, indisches Gebet. In der Nacht musste ich mehrmals den imposanten Moustache des Mannes aus meinen Augen pulen, rauchte ein paar biddis mit den Fahrern und schlug um Mitternacht auf Udaipurs Plaster auf.

Nicht umsonst wird Udaipur im Reisefuehrer als romantischste Stadt Indiens gepriesen . Sie liegt umringt von Bergen an einem See mit zwei kleinen Inseln, auf denen alte Palaeste heute Luxustouristen beherbergen. Die Strassen sind eng und verwinkelt, der Verkehr findet trotzdem einen Weg. Alle Erhebungen der Stadt kroent ein Palast mit den fantastischsten Verzierungen. Gleich in meiner Nachbarschaft ist ein aus einem Marmorberg gehauener Tempel und er beruehmte City Palace.
Ich wache jeden morgen mit einem ueberwaeltigenden Panorama vor meinen Fenstern auf und Fruehstuecke auf der Dachterrasse mitten im Zentrum. Abends schlendere ich zum See, bestaune die beleuchteten Palaeste und die allabendlichen Feuerwerke. Die Udaipurianer sind so stolz, dass James Bonds "Octopussy" hier gedreht wurde, dass der Film jeden Abend um dieselbe Zeit in nahezu jedem Restaurant am See gezeigt wird. Die Geschaefte bieten allerlei Kunsthandwerk zu Schleuderpreisen an und der Magen wird mit den leckersten Speisen gefuellt. Bhang-Lassi wird zudem in staatlichen Spelunken verkauft.
Sollte mir die Stadt zu viel werden, leihe ich ein Rad oder heure eine rikshaw an, um zum Monsoon Palace auf dem hohen Berg zu fahren, besuche das Kuenstlerdorf, lausche den Musikern oder relaxe am entfernten Tiger Lake. Gespraeche finde ich als Alleinreisender bei den beiden jungen Bruedern, die mein Hotel managen und immer Interessantes zu erzaehlen haben. Fuer jeden Besucher Udaipurs: "Lehar Paying Guest House" - ein schoenes Hotel mit grosszuegigen Zimmern und warmer Dusche, die man morgens gut gebrauchen kann, denn je mehr ich mich der Wueste naehere, desto kaelter werden die Naechte.

Genug gequatscht, mich erwartet ein Mahl am See...

Henning

Gezeigt wird ein Teil des City Palace, wunderschoen gelegen, wie auf dem Bild oben am rechten Bildrand erkennen koennt. Meine Dachterasse ist nur 200 Meter davon entfernt, irgendwo in der Mitte.

Nachdem ich den Berg und den Monsoon Palace erklommen hatte, um den Ausblick auf die Stadt unter mir zu geniessen, machte ich mich zu einem nahen Kuenstlerdorf auf, wo ich diesen Kameraden traf. Er spielte mir Musik auf seinem wunderlichen Instrument vor und die Person links daneben (keine Ahnung, welches Geschlecht!) sang dazu. Ich verspeiste das beste Thali, dass ich bisher in Indien hatte und kuckte den Kameln bei gammeln zu.

Udaipur bei Nacht - ein bezaubernder Anblick. Aus all den Restaurants toent die 007 Titelmelodie, abends ziehen jung verheiratete Inder auf Pferden durch die Strassen und Frauen versammeln sich zur puja am See und lassen beleuchtete Schiffchen schwimmen.


Den snakesharmer habe ich noch in Hampi bewundern koennen. Ihr koennt Euch nicht vorstellen, wie laut eine Cobra fauchen kann! Aber auch tanzen! Nachdem der Lebensmuede mir erzaehlt hat, dass er seine Liebste nicht unweit der Stadt am morgen gefangen hat, verbrachte ich eine unruhige Nacht im Hotel...

Dienstag, November 15, 2005

Von God-Maennern und Aurovillern

Zwei Wochen Nicht-Manipal liegen hinter mir, hoechste Zeit, den Rest der Welt ueber meine Erfahrungen auf dem laufenden zu halten. Nachdem ich am 30.10. mit Kirsten zusammen im unglaublich luxurioesen Bus nach Bangalore geschwebt bin, verbrachten wir einen Tag und zwei Naechte in der wohl progressivsten Stadt Indiens. Hier durefen Paerchen im botanischen Garten Haendchen halten und an der Mahamtma Gandhi Road scheinen Armut und Elend Lichtjahre entfernt. Vorsicht ist vor den unnachgiebigen Ricksha-Fahrern geboten, an die wir fuer unsere Trips kreuz und quer durch die City gut 300 Rupien loswurden. Schonmal in Big-Sepnder-Laune, goennten wirs uns zum kroenenden Abschluss im Sunnys, ein italienisches Restaurant, ausschliesslich von Nepalesen betrieben, ein suendhaft leckres Luxusessen.

Am 2.11. gings dann nach Puttaparthi, wo Indiens groesster Guru Sai Baba Hof haelt. 30 Millionen Anhaenger hat der selbst ernannte Avatar (Reinkarnation Gottes auf Erden) weltweit, mindestens 10.000 davon bevoelkerten zusammen mit uns den riesiegen Ashram. Da wir ja nicht nur deswegen in Indien sind, um uns ins Gokarna zu braeunen (oder Henning?;), wollten Kirsten, die mich zu dem Besuch anstiftete, und meine Wenigkeite die Gelegenheit nutzen, und eine nette Reportage ueber unsere Erlebnisse dort schreiben. Was nett und harmonisch begann (sieht man einmal von dem dauerschnarchenden Fettwanst neben mir im 40-Mann-Dorm ab) artete dank Internet-Recherche bald in paranoia-stiftende Unruhe aus. Ueber Missbrauch, Mord und Machenschaften lest ihr am besten selbst auf www.exbaba.com und demnaecht, wenn die Recherchen beendent sind, im Spiegel/Zeit/Stern/Focus/brand.eins....ich halte euch auf dem Laufenden.

Kirsten in den Faengen der Sex-Sekte zuruecklassend, begab ich mich mit stertig besser werdendem Gefuehl am 7.11. ueber Bangalore nach Pondicherry. Von Sleeper-Bussen (vgl.:Schlafwagen) kann ich an dieser Stelle nur abraten, mehrmals sah ich mich waehrend der dank indischer Fahrweise extrem kurvenreichen Fahrt aus dem Etagenbett ins Businnere stuerzen. Pondy dagegen ist super und ein Parade-Beispiel fuer indische Dualitaet. An der Strandpromenade laden grosszuegige Kolonial-Bauten aus franzoesischer Besatzerzeit und Croissanterien (sollte es diesen Ausdrcuk noch nicht geben, beantrage ich hiermit ein Patent) zum entspannten Bummeln, waehrend ein paar Kilometer weiter ausserhalb des Stadtzentrums der ganz normale Wahnsinn einer groesseren indischen Stadt pulsiert. Nach zwei Tagen Regen und Recherche mit einem Abstecher ins Sri Aurobindo-Ashram stiessen Maren und Christoph hinzu, die nach einem Tagestrip von Hampi aus putzmunter aus dem Bus fielen. Zusammen erkundeten wir zunaecht per Touri-Tour und dann per Motoroller Auroville , die grossartige Idee einer multinationalen, besitzanspruchslosen Stadt, in der der Mensch dank Aurobindos Integralem Yoga in die naechste Evoultions-Stufe finden soll. Lache ruhig, wer den Glauben an das Gute im Menschen aufgegeben hat, alle anderen werden vielleicht unter www.auroville.org schlauer.

Am 13.11. reisste ich dann ueber das riesige Chennai, in dem ich den groessten Busbahnhof Zentralasiens und ein paar staubige Strassenschluchten besehen durfte, per Zug 14 Stunden lang nach Hyderabad, wo ich nun in einem Internet-Cafe sitze. Ohne lange Erklaerungsversuche (dazu muesste ich schon von dem buddhistischen Moench Sisara und Kerala-Klaus erzaehlen) bekenne ich nun, dass ich mich fuer die naechsten 10 Tage ins Dhamma Khetta Meditation Centre begeben werde, um einem Vipassana-Mediations-Kurs beizuwohnen.

Da ich dort weder lesen, schreiben noch reden darf, habe ich danach sicher eine ganze Menge zu berichten - wer also Skype-faehig ist, lasse mir eine Mail zukommen, ich werde ihn gern an meiner wieder gewonnennen Redelust teilhaben lassen (nur mit dem Zuhoeren wirds wahrscheinlich schwierig...)

Mehr von mir dann in Baelde und bitte keine Klagen - diesmal hab ich ja einen Grund, den Blog zu vernachlaessigen.

Robin

Mittwoch, November 09, 2005

gmHampi - zwischen Glauben und Suende

Wahrscheinlich erwartet Ihr nun ein Bericht ueber Goa, hier ist er: tolle Straende, viele Menschen, teuer im Vergleich zum Rest des Landes (ausser Alkohol).
Nun, ich bin nicht dagewesen, entgegen meiner Ankuendigung. Ich verbrachte ein paar Tage in Gokarna, am Om-Beach - weil es mir dieser sehr Ort angetan hat und Maren und Christoph dort auch die Zeit "tot schlugen". Es waren schoene Tage und Naechte am Strand mit netten Menschen und ... aber von Gokarna hab' ich ja schon berichtet. Eigentlich sollte es weiter gehen nach Palolem, Goa, aber dar selbst dieser abgelegene Strand schon jetzt, vor der Saison, ueberfuellt sein soll, entschied ich mich um den Staat Goa einen riesigen Bogen zu machen.
Der Weg fuehrte uns also nach Hampi in unserem "Heimatstaat" Karnataka im Landesinneren. Kirsten hatte schon viel berichtet und andere Reisende schwaermten von dem kleinen Staedtchen in hohen Toenen. Vor uns lag eine 10 Stunden Fahrt von Gokarna aus, 5.30 morgens aus dem Bett, rein in den Bus und los ging das Gehumpel. Einen solchen Ritt habe ich in Indien noch nicht erlebt und es gab schon einige grausige Fahrten! Die Federung des Vehikels, wenn es denn eine gab, versagte klaeglich und die Strassen waren wie immer lausig. Schlafen konnte man nur zwischen den Schlagloechern und die gab es wie Sterne am Himmel. Einnicken trifft die Sache ganz gut - ich bin froh, dass sich keiner von uns das Genick gebrochen hat!
Abends trafen wir also in Hampi ein und fanden ein Staedtchen mit dutzenden Tempeln vor, eingebettet in Bergen, die aus riesigen Steinen bestehen. Das Flair kann man hier getrost als mediterran bezeichnen: Griechenland wegen der Ruinen, Spanien wegen der Gasthaeuser und der Restaurants und ganz Europa wegen der vielen weisshaeutigen Menschen auf den Strassen. Abends wird es angenehm kuehl, das haelt die Bewohner der Hauptstrasse aber nicht davon ab, vor ihren Haeusern zu schlafen: natuerliche Aircondidition.
Die Tempel sind wirklich ueberwaeltigend und nicht ohne Grund zum Weltkulturerbe erklaert worden. ueberall sieht man Affen, grosse Wasserbueffel und Kamele. Die Berge ringsherum laden zum klettern ein und geben einem einen tollen Blick ueber die Umgebung. Abends fallen dann die Moskitos ueber uns her, was aber schnell mit Autan behoben werden kann.
Indien ist das Land der Gegensaetze, wie Ihr vermutlich schon oft an dieser Stelle erfahren habt. Man koennte fast sagen, alles ist verboten - wenn man etwas aber braucht, ist es jederzeit zur Hand. So haengen im Polizeibuero zum Beispiel Warnungen, Charace, Ganja, Bhang oder Marihuana koennten zu langen Gefaengnisstrafen fuehren (oder aber zu einer leeren Brieftasche). Trotzdem muss man nur fuenf Schritte auf der Strasse laufen und man wird ueberschwemmt mit Angeboten, oft sogar bekommt man eine Probe, von der man getrost den ganzen Tag zehren kann. Sitzt man abends im Restaurant wird einem unter der Hand Bhang-Lassi angeboten, ein Getraenk aus einem Marihuana-Derivat (wobei ich nicht sicher bin, ob es sich um die gleiche Pflanze handelt). Ein Doerfchen also, das einem alles bietet: Kultur und Entspannung, Religion und Suenden! Aber keine Angst, alles shanti, ich bin noch kein dauerbekiffter Hippie - dafuer gibt es hier zu viel zu erleben und man wuerde zugedroehnt eben dies verpassen.
Morgen geht es weiter und weil ich nicht schon wieder leere Versprechungen machen moechte, verrate ich Euch meinen Zielort noch nicht (ein zwei Tagestrip in den Norden). Wie heisst es doch so schoen: Alles ist moeglich in Indien ... ausser zeitgenaue Plaene zu schmieden!

Henning


Ja, der Duenne mit dem Schatten im Gesicht bin ich. Gemacht hat das Foto ein inidischer Reisefuehrer vor unserem "Haustempel". Der Schurke hatte anfangs gesagt, ich solle ihm geben, was ich fuer richtig halte - also gab ich ihm 100 Rupien, worauf er sagte:"Die meisten Touristen geben mir 500!", umgerechnet 10 Euro. Manche Hampianer haben wirklich Chupze!
Was fuer ein schoener Platz zum ausspannen. Einfach die kleinen Reisigfaehren ueber den Fluss nehmen, ein wenig wandern, sich auf die Kissen flaezen, gut essen und trinken, schnacken mit anderen Reisenden und ein Sportzigarette geniessen. Dazu die Aussicht!


Wer die armen Kerle auf dem Foto, dass in der Polizeiwache haengt, erkennt, verstaendige bitte die Verwandten. Das Bild soll abschreckend auf Kiffer wirken - schliesslich sitzten die beiden seit 98 im Knast. Ich glaube aber, dass die Reisenden vielleicht einfach nur ein Foto im Hotel vergessen haben und jetzt an einem Strand hocken. Aber Vorsicht ist auf jeden Fall angesagt!

Montag, Oktober 31, 2005

Abschied von Manipal


Jetzt heisst es "Auf Wiedersehen Manipal".
Unser Studium ist beendet, drei Tage wurde der Abschied gebuehrend gefeiert, am Sonnabend sogar eine Disco angemietet und am Sonntag die letzte Mahlzeit zusammen eingenommen. Das kleine Manipal war fuer drei Monate unser kleines Indien - auch wenn uns alle Inder ueberzeugen wollten, dass Manipal alles, nur nicht typisch indisch ist. In einer solch kurzen Zeit kann einem in fremden Landen viel passieren: Das Hotelzimmer wird ein Zuhause, man findet gute Freunde, der indische Lebensstiel wird einem, wenigstenst ein bisschen, zu eigen oder man verliert einfach nur vier Regenschirme.
Derart an den Subkontinent gewoehnt, verstreuen wir uns vier jetzt also in die vier Himmelsrichtungen und lassen die "Westler" Manuel, Christina und Nolwenn hier zurueck. Meine Reise wird mich ueber die Straende in den Nordwesten fuehren und vielleicht kommen wir vier bald wieder dort oben zusammen.
Die Texte an dieser Stelle wurden in letzter Zeit ein wenig vernachlaessigt, gleiches gilt fuer Fotos. Ich kann nicht versprechen, dass es sich aendern wird - kann mich aber bemuehen, Euch ueber meine Rucksack bepackte Schulter schauen zu lassen.
So, Schluss mit den ruehrseligen Reden und rein in den Zug... Naechster Halt: Palolem, Goa!

Henning

Dienstag, Oktober 25, 2005


Ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass an dieser Stelle haeufig die Rede von Straenden ist - aber was soll ich machen? Natuerlich erleben wir andere schoene Dinge, von denen wir Euch schon berichteten, oder eben nicht so gute.

Anlass fuer diese Fotos war unser visual communications Kurs in dem jeder Student eines Teams drei Fotos zu einem bestimmten Thema abgeben musste. Maren, Robin und ich steckten die Koepfe zusammen und suchten uns ein Oberthema. Da das Thema Essen schon hervorragend und nahezu erschoepfend von unserer "Leidensgefaehrtin" Alena auf ihrem Blog abgefruehstueckt wird, entschieden wir uns fuer "Armut". Es mag vielleicht kein ueberraschendes Thema sein, aber wir stellten nicht nur bei unser abschliessenden Praesentation fest, dass die hiesigen Studenten keinen Blick fuer die "kleinen" Dinge des Alltags haben und leicht ueber Armut und Muell in ihrer Nachbarschaft hinwegsehen. Sehen sie aber die Fotos, kommt die Frage, wo zum Teufel wir den diese Menschen gefunden haetten. Anwort: einen Kilometer enfernt vom Campus, gegenueber dem Planetarium.

Was ihr auf dem Foto seht ist kein slum, eher eine Zeltstatt von Wanderarbeitern, die im Moment die Strassen ausbessern. Solche Lager sehen wir auf unseren Reisen oft und die Armut in ihnen ist nicht zu uebersehen.

Nach der Praesentation sagte uns Sunil, der Dozent, er hoffe, dass wir nicht nur diese Eindruecke mit nach Deutschland bringen. Natuerlich nicht! Indien ist ein erstaunliches Land, in jeder Hinsicht und jedem ans Herz gelegt. Aber ohne diese Bilder geht es auch nicht.

Henning

Die Bettelkinder sind am Tiger Circle ein fast alltaegliches Bild und koennen gewaltig nerven. Fuer jeden Besucher Indiens ein kleiner Tip: vor der Reise ueberlegen, wie man mit den Bettlern umgeht. Keinem etwas geben (den Kindern, die ihre "Beute" meist an die Eltern abtreten muessen) und vielleicht spenden. Es ist wirklich hart, aber Geld bringt meistens nichts und haelt die jungen Bettler zudem noch von der Schule fern - schliesslich koennen sie auf der Strasse viel Geld verdienen. Oder man gibt ihnen direkt Essen wie Kekse oder Bananen, was wir nach anfaenglichem Hin und Her auch jetzt tun.

Das Foto zeigt ein kleines Maedchen beim schlafen nahe der Zelte. Wir hatten noch ein Foto ihres Gesichts gezeigt, das von Fliegen und Pickeln uebersaeht war. Allerdings habe ich mich dazu entschlossen, es nicht auf diese Seite zu stellen - ich muss es nicht jedem zumuten.

Die Strassenarbeiter sehen wir hier in Indien alle Nase lang, sei es in der bruetenden Hitze auf stark befahrenen Strassen oder halstief in einem Graben beim verlegen von Kabeln. Oft sind, wie auf dem Bild zu sehen, Kinder oder Jugendliche eingespannt. Diesen Jungen trafen wir abends in seinem Zelt bei einem Reismahl noch einmal an.

Sonntag, Oktober 16, 2005

The Naxal Challenge


Was einen Aufenthalt in einem fremden Land unvergesslich macht, ist der Ruch des Abenteuers. Das Gefühl, sich in eine Situation begeben zu haben, die das Adrenalin in den Schläfen pochen lässt – das ist es doch, was wir Fernreisenden wollen.

Nun, von der komfortablen India Light-Blase Manipal aus muss man gar nicht so weit in die Ferne schweifen, um in den Genus eines solchen Erlebnisses zu kommen.

Mit dem Vorhaben, einen in den Dschungel gehauenen Wasserfall zu sehen, quetschte ich mich letzten Samstag zusammen mit Kristina in den Bus nach Agumbe. Zweieinhalb Stunden später, in denen sich der Bus durch neblige Serpentinen schlängelte, erreichten wir unser Ziel: Ein winziges Nest, ein paar hundert Meter über Normalmull. Da kein Wegweiser Richtung Wasserfall vorhanden, machten wir uns auf die Suche nach dem menschlichen Wegweiser und trafen einen Geschichtslehrer aus Mysore, der uns auseinandesetzte, dass er uns von einem Abstecher zum Wasserfall abraten würde. Es würde gleich anfangen zu regnen, es gebe Blutegel da und Königs-Cobras wären dort auch gesichtet worden.

Nun sind weder ich noch Kristina als an Lebenserfahrung reiche Biologin so einfach abzuschrecken. Der Lehrer sah sich also gezwungen, noch eins drauf zu packen und erzählte von der Naxal-Terror-Group, die in der Nähe eines anderen, größeren Wasserfalls gesichtet worden war. Was für eine Gruppe? Das liess sich leicht klären. Durch eine wundersame Wendung des Schicksals hatte sich Kristina noch auf der Busreise ein indisches Nachrichtenmagazin gekauft, dessen Cover der rote Schriftzug ´The Naxal Challenge´ zierte. Wir beschlossen, auf Anraten des Lehrers zum Übernachten nach Sringerie zu fahren, wo gerade mal wieder ein Festival stattfand, und uns dort über diese Naxals zu informieren.

Wie sich herausstellte, ist die Naxalite-Group ein nicht gerade friedlicher, maoistischer Guerilla-Haufen, der sich vor einem Jahr in Form einer Partei institutionalisierte. Dieser Schritt tat einigen z.t. blutigen Scharmützeln mit der Polizei aber keinen Abbruch. Nun, was tun? Wir besuchten erstmal den Tempel, wo es interessante Sangesaufführungen und eine orthodoxe Zermonie mit dem örtlichen Swamji, einem eher kräftigen, froschäugigen Typen, zu bewundern gab. Am nächsten Morgen beschlossen wir, nochmal nach Agumbe zu fahren und die Lage zu checken.

Der Lehrer war nicht zu sehen. Durch eine leichtsinnige Laune der Natur mieteten wir uns eine Rick und liessen uns für 35 Rupies (statt der geforderten 80) zum Wasserfall bringen. Der befand sich nur einen kurzen Hike bergabwärts durch den Dschungel entfernt und war gelinde gesagt enttäuschend. Wir beschlosen, noch ein Stück durch den Wald zu wandern. Dann meldetet sich bei mir ein ungutes Bauchgefühl, das mit jedem Schritt größer wurde. Ich überredete Kristina zum Umkehren. Zurück auf der Straße entdeckten wir, dass es sich ein paar fettgwordene Blutegel an unseren Füßen bequem gemacht hatten. Yummi! Kein schöner Anblick, dass. Zurück in der Zivilisation dinierten wir in einem sehr einfachen Restaurant, als mir ein vergitterter Transporter auf der gegenüberliegenden Strassenseite ins Auge fiel. Nach dem Essen kam der Fahrer auf mich zu und suchte einen kleinen Plausch. Wie sich herausstellte, war der Herr Polizist. Er infomierte mich in gebrochenem, aber noch verständlichem Englisch darüber, dass die örtliche Truppe sich in Bereitschaft halte. Es sei möglich, dass sie jederzeit zu einem Einsatz gegen die Naxals gerufen werden.

Kristina und ich sahen uns an und sagten erstmal nix. Kurz nachdem wir die örtliche Busstation erreichten, begann es zu regnen wie aus Kübeln. Der Regen hörte bis Manipal nicht mehr auf. Ich hatte mein klassisches Fernreisenden-Erlebnis in der Tasche – und glaube spätestens seitdem fest daran, dass da oben jemand ist, der es sehr gut mir meint.

Robin

Freitag, September 30, 2005

Gokarna und Om



Hier ein paar Bilder von unserem Trip zum Om-Beach, unten steht ein Reisebericht.


Unser Blick von der Terrasse des Namaste-Cafes beim Fruehstueck. Die Fischer belieferten die Kueche jeden Tag mit frischem Fisch. Unter den Baeumen konnte man wunderbar die Mittagshitze aushalten.